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Nasenspülung - wo kommt sie her?

Die Nasenspülung ist in der Volksmedizin vieler Länder bekannt. Insbesondere in der indischen Yogatradition wird sie seit vielen Jahrhunderten praktiziert. Dort ist Neti nur eine der vielen Reinigungstechniken (es gibt z.B. auch Reinigungstechniken für Magen und Darm) die in alten Yogaschriften wie Gheranda Samhita und Hatha-Yoga-Pradipika erwähnt werden.

In meinen Kursen erzählen vor allem ältere KursteilnehmerInnen immer wieder, dass sie schon lange Wasser aus der hohlen Hand in der Nase hochziehen; „...die Oma hat das auch schon immer so gemacht.“

Auch von Techniken mit Wasserglas und Strohalm habe ich in einem Kurs gehört. Als „Volkswissen“ scheint also die Technik des neti irgendwie bekannt zu sein – aber wo liegen die Wurzeln?

Neti wird in der Gheranda Samhita als eines der satkarmas (sechs Gruppen von Reinigungspraktiken) auf und wird in GS I,49-50 beschrieben. „Man soll in einen Nasengang einen feinen Streifen Stoff einführen und durch den Mund wieder herausziehen. Diesen Vorgang nennt man neti.“

größere Ansicht öffnen Dazu wurde ein ca. 40 cm langes Bündel Baumwollfäden benutzt. Das vordere Ende wurde gedreht und in heißes Bienenwachs getaucht und dann abgekühlt. Das nun gehärtete vordere Teil wurde durch ein Nasenloch in die Nase eingeführt. Wenn die Spitze am Gaumen zu fühlen war, wurde der „neti“ mit zwei Fingern gefasst und zum Mund herausgezogen. Das lose Ende hing nun noch zum Nasenloch hinaus. Jetzt wurden die Enden noch 10-15 mal hin- und hergezogen bevor der „neti“ dann ganz zum Mund herausgezogen wurde. Weil diese Methode sehr unhygienisch ist, wird heute ein dünner Gummikatheder verwendet. Der kann gereinigt und desinfiziert werden. Diese „neti-Praxis stärkt die Schleimhaut, beseitigt Störungen des Schleims und erleichtert den Vorgang von khecari mudra“.

Jala-neti (von jala – Wasser) ist eine neuere Entwicklung des Yoga. Die Wurzeln für die Reinigung der Nase mit Wasser liegen aber in den in der (GS I, 57) beschriebenen Technik des vyutkrama-kapalabhati und in (GS I, 58) beschriebenen Technik des sitkrama-kapalabhati.

vyutkrama-kapalabhati
„Nachdem man Wasser durch beide Nasengänge gezogen hat, sollte es durch den Mund wieder herausgebracht werden.“
Als Effekt wird diesem kriya zugesprochen, dass es Krankheiten heilt, die durch Schleimbildung entstanden sind.


sitkrama-kapalabhati
„Wenn man mit dem Mund Wasser einzieht, so, als wolle man einen Zischlaut hervorbringen, sollte man es durch die Nasengänge wieder herausfließen lassen.“
Als Effekte werden hier beschrieben, dass man durch die Praxis diese kriya schöner wird. Alterserscheinungen setzten nicht ein und von fiebrigen Erkrankungen bleibt man verschont. Ziel ist den Körper unter Kontrolle zu bringen und ihn frei von Schleimstörungen zu machen.

[zitiert nach: Ingrid Kohlhöfer: „Satkriyas – Reinigungstechniken im Yoga“ S. 32, GGF Verlag, Düsseldorf]