| Nasenspülung
- wozu eigentlich?
Um
diese Frage zu beantworten, muss ich mir die Aufgaben der oberen
Atemwege und dort insbesondere der Nase anschauen.
Die Nase soll die Atemluft:
- reinigen
- erwärmen
- anfeuchten
Des weiteren liegt das Riechorgan in der Nasenhöhle. Dies ist
in diesem Zusammenhang zunächst einmal zu vernachlässigen
– obwohl nach neti auch das Gefühl aufkommen kann besser
Riechen zu können.
Die Aufgaben der Reinigung, Erwärmung und Befeuchtung erfüllt
die Nase meist sehr wirkungsvoll. Wir atmen täglich 10.000
bis 20.000 Liter Luft. Bei normaler Atmung gelangt gewöhnlich
kein Staubteilchen aus der Luft in die Lunge. Auch die uns sauber
erscheinende Luft ist voller Staub- und Schwebestoffe. Sie kann
für uns unsichtbar Rußpartikel, Pollen und andere Schadstoffe
enthalten. In ihr verbreiten sich auch Bakterien, Pilzsporen und
Viren. All diese Teilchen werden auf der Nasenschleimhaut abgelagert
und dem Organismus zum Abbau zugeführt.
Um jetzt zu verstehen wie neti wirkt, muss ich verstehen wie die
Nasenschleimhaut funktioniert.
Aufbau und Funktion der
Nasenschleimhaut
Auf der Nasenschleimhaut fließt kontinuierlich ein dünner
Flüssigkeitsstrom mit dem Schmutzpartikel und Bakterien fortgeschwemmt
werden. Dieser Flüssigkeitsstrom wird durch die Tätigkeit
kleiner Flimmerhärchen in Gang gehalten. Jede Zelle des Flimmerepithels
besitzt an ihrer Oberfläche 200-300 solcher Flimmerhärchen/Zilien.
Diese Zilien sind unvorstellbar klein: fünf bis sieben µm
(Millionstel Meter) lange Härchen mit einem Durchmesser von
0,1 0,3 µm.
Der Flüssigkeitsstrom der Nasenschleimhaut besteht aus zwei
Schichten. In der flüssigen Solphase können die Zilien
ungehindert mit peitschenartigen Bewegungen hin- und herschlagen.
Mit den oberen Enden berühren die Zilien die darüber liegende
zähere Gelphase. Durch das kontinuierliche Schlafen der Zilien
bewegt sich die Gelphase wie ein Transportband weiter, das nennt
man „mukoziliarer Transport“.
Der Transport geht mit einer Geschwindigkeit von einigen
Millimetern pro Minute in Richtung Rachenraum, wo dann die Partikel
verschluckt werden. Es gibt auch solch einen Transport aus den Bronchien
entlang der Luftröhre in den Rachenraum.
Die erste Aufgabe der Nase, Reinigung
der Atemluft, funktioniert normalerweise ohne Probleme über
den mukoziliarer Transport.
An der Bewältigung der zweiten Aufgabe, der Erwärmung
der Atemluft, hat die Nasenschleimhaut ebenfalls Anteil. Die Luft
strömt an der gut durchbluteten Schleimhaut vorbei und wird
so erwärmt. Die Wärme der Atemluft hat Einfluss auf die
Intensität des Zilienschlags. Bis zu einer Umgebungstemperatur
von 40 Grad Celsius steigt die Flimmerschlagsfrequenz, und damit
auch die Transportfunktion der Nasenschleimhaut. Daher ist auch
die „verstopfte Nase“, das anschwellen der Nasenschleimhaut
zunächst eine nützliche Abwehrreaktion, die die Transportfähigkeit
der Nasenschleimhaut und so den Selbstreinigungsprozess unterstützt.
Ab etwa 50 Grad Celsius sinkt die Flimmerschlagfrequenz wieder,
nach einer Abkühlung ist dies noch Rückbildungsfähig.
Bei Temperaturen darüber erlischt der Flimmerschlag unwiderruflich.
Bei einer Abkühlung
unter 36 Grad Celsius verlangsamt sich der Zilienschlag. Die Verlangsamung
der Transportfunktion ist wahrscheinlich ein entscheidender Auslöser
für Atemwegsinfektionen gerade bei niedrigeren Außentemperaturen.
Die dritte Aufgabe war die Befeuchtung der Atemluft. Die Feuchtigkeit
hat ebenfalls entscheidende Auswirkungen auf die Transportfähigkeit.
Der Einfluss von klimatisierter Luft bewirkt, dass die Flimmerzellendichte
abnimmt. Deswegen sind auch die vorderen Teile der Nasenhöhle
nur mit wenig Flimmerepitel besetzt. Die optimale relative Luftfeuchtigkeit
liegt oberhalb von 90 %.
Störungen der Transportfunktion
Jetzt kann es sein, dass die Transportfunktion der Nasenschleimhaut
gestört ist. Dafür kann es (entsprechend der Aufgaben,
s.o.) vielerlei Gründe geben.
Durch trockene Raumluft (Heizung, Klimaanlage) verringert sich z.B.
der Feuchtigkeitsgrad der Atemluft. Damit nimmt die Anzahl der Zilien
pro Flimmerzelle ab. Oder die Außentemperatur nimmt ab (z.B.
im Winter). Damit kann die Umgebungstemperatur des Flimmerepitels
unter 36 Grad Celsius sinken, und damit sinkt auch die Schlagfrequenz
der Zilien.
Ein weiterer Störungsgrund ist die Verunreinigung der Atemluft.
In der Luft können so viele Schmutzpartikel vorhanden sein,
dass die Reinigungskapazität der Schleimhaut überfordert
ist. Das geschieht vor allem bei bestimmten Berufsgruppen wie Bäcker,
Bauarbeiter, Bergleute, Schreiner usw. die mit dem Schleifen, Schmirgeln,
Fräsen usw. verschiedener Materialien zu tun haben. Hier lagern
sich im Laufe des Lebens Ruß- und Staubpartikel in der Lunge
ab, die der Organismus nicht mehr beseitigen kann.
Des weiteren können in der Atemluft enthaltene Giftstoffe (wie
z.B. Zigarettenrauch, Holz- und Metall- und andere Stäube)
die Zilien schädigen, auch soweit, dass es zum Verlust von
Zilien kommen kann. Die Schäden sind zunächst noch teilweise
reversibel, können aber auch irreversibel werden.
Auch durch virale Infekte kann es zu einer Abnahme der Zilienaktivität
oder teilweisem Zilienverlust kommen. Die Schleimhautregeneration
benötigt dann etwa 2 – 4 Wochen.
Medikamente, Chemotherapie, Bestrahlung und allergische Reaktionen
haben ebenfalls Einfluss auf die Transportfähigkeit der Nasenschleimhaut.
Was passiert bei einer Erkältung?
Die Infektionskrankheit wird über 95% durch eine große
Anzahl verschiedener Virustypen hervorgerufen. Die werden durch
Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen), direkten Kontakt oder
durch Gegenstände übertragen. Klassische Symptome sind:
Naselaufen, verstopfte Nase, Niesen, Husten, vermehrte Schleimbildung,
Entzündung im Rachen und Kehlkopf.
Verantwortlich für den Krankheitsverlauf ist die verminderte
Funktion des mukoziliare Transportsystems (s.o.). Dadurch lagern
sich Schmutz- und Schleimpartikel auf der Schleimhaut ab und der
Flüssigkeitsstrom staut sich an diesen Hindernissen. An diesen
Stellen können Viren in die Zelle eindringen und sie infizieren.
Auch Bakterien bleiben an diesen Stellen haften und können
Entzündungen hervorrufen. Je nachdem an welcher Stelle es zu
einer solchen Stauung kommt, führt es zu dem jeweils typischen
Krankheitsverlauf (z.B. Entzündung der Rachenmandeln).
Die Schwellung der Nasenschleimhaut kann die natürliche Öffnung
der Nasennebenhöhle, die in den inneren Nasenbereich einmündet,
verschließen. Dabei kann auch die Belüftung der Ohrtrompeten
behindert werden. Durch den Verschluss kommt es zu einem wachsenden
Unterdruck in den Räumen des Mittelohres und der Nasennebenhöhle,
der eine wachsende Schleimabsonderung bewirkt. In diesem Schleim
können sich zusätzliche Bakterien ansiedeln und zum Krankheitsbild
von akuten Entzündungen der Nasennebenhöhle und im Mittelohr
führen.
Was macht nun neti?
Jala-neti ist eine einfache und angenehme Methode, die die natürlichen
Reinigungsmechanismen der Nasenschleimhaut unterstützt. Sie
löst festsitzenden Schleim, erfasst die abgelagerten Staub-
und Rußpartikel und befördert alles zusammen mit der
Spülflüssigkeit wieder aus den Körper. Es ist wie
ein mildes Waschen und Sauberspülen der Nasenschleimhäute.
Besonders hilfreich ist neti, wenn man erkältet ist oder eine
Erkältung im Anmarsch ist. Hier kann man bei ersten Anzeichen
die Nase ein- oder mehrmals hintereinander spülen. Bei einer
Erkältung produziert die Nasenschleimhaut als Abwehrreaktion
vermehrt Schleim, der nicht mehr ausreichend abtransportiert werden
kann. Durch neti wird nun der übermäßig produzierte
Schleim beseitigt. Damit wird auch die Zahl der Krankheitserreger
(Viren, Bakterien, Pilze) verringert und der Selbstreinigungsmechanismus
der Nasenschleimhaut angeregt. Somit kann die Ausprägung der
Krankheitssymptome gemildert werden.
Die regelmäßige Nasenspülung
hat sich hilfreich erwiesen bei:
- verstopfter Nase
- häufigen Erkältungen
- Neigung zu Nasenneben- und Stirnhöhlenbeschwerden
- Mandel- und Rachenentzündungen
- Trockenheit der Nasenschleimhäute
- Problemen mit Heuschnupfen
- Allergiebeschwerden
- Mittelohrentzündungen
- Asthmabeschwerden
- Tätigkeiten in staubigen, verschmutzen oder klimatisierten Räumen
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